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Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" veröffentlichte in der Ausgabe Nr. 16 vom 10.4.2004 auf Seite 136 dieses Interview:

GESUNDHEIT
Dicke Alte leben länger

Gabriele Doblhammer-Reiter vom Rostocker Max-Planck-lnstitut für demografische Forschung über die derzeit steigende Zahl von Sterbefällen und die Gründe für ein langes Leben

SPIEGEL: Seit dem Jahr 2002 steigt die Zahl der Todesfälle in Deutschland, allein 2003 um rund 16000. Müssen wir uns Sorgen machen?

Doblhammer-Reiter: Das müssten Sie nur, wenn auch die Sterbewahrscheinlichkeit höher würde. Doch die geht kontinuierlich zurück, die Lebenserwartung der Deutschen steigt von Jahr zu Jahr. Aber die geburtenstarken Jahrgänge der zwanziger Jahre kommen jetzt alle in ein Alter, in dem die Sterbewahrscheinlichkeit hoch ist.

SPIEGEL: Kann jeder Einzelne seine Sterbewahrscheinlichkeit beeinflussen?

Doblhammer-Reiter: Der Lebenswandel entscheidet mit, ob jemand die durchschnittliche Lebenserwartung erreicht. Wer nicht raucht und sich ausreichend bewegt, wird älter. Das gilt sogar noch, wenn er seine Gewohnheiten erst mit 70 ändert. Der wichtigste Faktor ist aber das Geschlecht - schon ab 50 Jahren haben Männer ein doppelt so hohes Risiko, demnächst zu sterben.

SPIEGEL: Wer sich mit 70 das Rauchen abgewöhnt, kann 100 Jahre alt werden?

Doblhammer-Reiter: Wir wissen nur, was Menschen tun können, um Mitte 80 zu werden - da liegt derzeit die Lebenserwartung für Frauen. Bei 100-Jährigen scheinen auch genetische Faktoren eine Rolle zu spielen.

SPIEGEL: Wie wichtig ist die Ernährung?

Doblhammer-Reiter: Gesunde Ernährung kann das Leben mit Sicherheit verlängern. Noch ist aber nicht bewiesen, dass Übergewicht es verkürzt. Wir beobachten eher, dass ältere Menschen länger leben, wenn sie ein paar Kilo zu viel haben.

Zuletzt aktualisiert 15.04.2004